Geschichte des Kufsteiner Marienbrunnens

Neben vereinzelten privaten Ziehbrunnen gab es im alten Kufstein zur Wasser-Versorgung der Bevölkerung immer schon öffentliche, allgemein zugängliche Brunnen.

Die Haushalte haben das Wasser dort geholt und pflegten dort auch teilweise ihre Wäsche zu waschen. Diese Brunnen waren auch als noch Fuhrwerke und bäuerliche Betriebe die Stadt kennzeichneten als Tränken notwendig.


Das Wasser für die städtischen Brunnen wurde zuerst in hölzernen Rinnen und Holzrohren und ab 1877 in Gusseisenrohren aus der Kienbergklamm zugeleitet. Ab 1894 wurde die Kufsteiner Wasserversorgung aus der Hofinger-Quelle im Kaisertal gespeist.


Aus Unterlagen im Stadtarchiv geht hervor, dass der im neugotischen Stil gefertigte Ma-rienbrunnen zusammen mit einem zweiten achteckigen Eisenbrunnen ( auch am Unteren Stadtplatz, vor der Gräfin) im Herbst 1861 von der k.k. Eisenwerksverwaltung in Jenbach bezogen und vom Kufsteiner Schmiedemeister Josef Lener aufgestellt wurde.


Das älteste Foto des Marienbrunnens stammt von 1869 und zeigt ihn mit einer schön geglie-derten Kreuzblume an der Spitze. Verfolgt man die alten Aufnahmen über die Jahre weiter dann lässt sich erkennen, dass diese Spitze um 1924  verlorengeht - wodurch ist nicht erkennbar (Blitzschlag? mechanische Beschädigung?) - und dann bald durch einen aufgesteckten, sehr einfachen Blechspitz ersetzt wurde. Dieser Zustand erhielt sich bis heute, also über 90 Jahre lang.


Ein weiteres Kapitel, eigentlich das bedeutsamste, begann 1963 mit der Umgestaltung des Unteren Stadtplatzes, als der Marienbrunnen abgetragen wurde und 1966 durch einen neuen, modernen Brunnen ersetzt wurde. Dieser stammte vom Bad Häringer Künstler Herbert Bartels und bestand aus einer gegliederten Stahlsäule und mehreren flachen weißen Marmorbecken.


Fast wäre es damals dem Marienbrunnen so ergangen wie einem gleichaussehenden in Schwaz, der verschrottet und als Alteisen eingeschmolzen wurde, wenn man unseren in seine Einzelteile zerlegten
Brunnen nicht in kluger Voraussicht am städtischen Bauhof gelagert hätte. Seine Wiedergeburt verdankt der Marienbrunnen dann einem Aktionskomitee von engagierten Kufsteiner Bürgern (Georg Taxer, Georg Ranacher, Ekkehard Hofbauer) welche die Restaurierung und Wiederaufstellung  des alten Marienbrunnens im Jahre 1977 betrieben hatten. Der von den meisten Kufsteinern ungeliebte Bartels-Brunnen steht heute in Häring.


Der alte stilistisch unpassende Ersatz-Blechspitz entging allerdings der Restaurierung von 1977 und wurde weiter verwendet. Vor einiger Zeit ist einigen Mitgliedern des Kufsteiner Heimatvereins diese Tatsache aufgefallen und es wurde beschlossen hier auf unsere Kosten Abhilfe zu schaffen. Wir unterbreiteten diesen Vorschlag der Stadt bzw. dem Bürgermeister und nahmen nun heuer mit Erlaubnis den Blechspitz und eine der seitlichen goldenen „Krabben“ ab, um die erforderlichen Vorlagen für die Neuanfertigung der „Kreuzblume“ zu haben. Nach einiger Zeit war dann doch jemandem das Fehlen dieser Teile aufgefallen und es ging eine Anzeige bei der Bundespolizei gegen Unbekannt wegen dieses „Diebstahls“ ein – der „Fall“ konnte dann aber rasch geklärt werden.


Eine „Probeaufsteckung“ des neuen, nach alter Vorlage modellierten Teiles zeigte dann aber, dass durch den alten Bruch auch ein Teil der Höhe verlorengegangen war und dadurch nun unsere neue Spitze zu gestaucht wirkte. Nach dem Motto: wenn schon, dann möglichst gut, kam die Spitze nochmals herunter, ein neuer verlängerter Gussteil der zentralen Spindel wurde angefertigt, die vergoldete Kreuzblume und Endzwiebel wieder montiert und jetzt hoffen wir dass alles passt.


Wir freuen uns dem Marienbrunnen bzw. dem neu angelegten Unteren Stadtplatz ein neues glänzendes „i-Tüpfelchen“ schenken zu können.
Dr. Gerhard Lehmann, 20.10.2015
Obmann, Heimatverein Kufstein


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