Kufsteiner Klause abgerissen

In den vergangenen Wochen wurde das Absehbare Wirklichkeit.

Das seit Jahren zunehmend mehr verfallende Gasthaus zur Klause, auf der Straße nach Kiefersfelden, wurde im Spätsommer 2012 abgerissen. Ein kurzer geschichtlicher Nachruf, nach den Aufzeichnungen von Ekkehard Hofbauer:

Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1319. Kaiser Ludwig der Bayer verpfändet den niederbayrischen Herzögen die Burg „und Vesten Choufstain, Chitzpüchel, Werberch und Ebse mit den Clausen (= kleine Sperrfestung) für 8000 Mark Silber“, wogegen die Herzöge dem Kaiser mit ihrer ganzen Macht zu dienen gelobten. Als Kufstein im Schärdinger Frieden wieder an Bayern kam, hatte die Kufsteiner Klause zunächst als Verteidigungsstellung keine Bedeutung mehr.

1506 befahl Kaiser Maximilian dem Gilg Fronheimer aus Rattenberg und dem Konrad Kersdorfer aus Kufstein, sich nach dem Zustand der Klause unterhalb Kufsteins zu erkundigen.

Als im Jahre 1525 an Stelle eines kleinen Fußweges eine Straße am linksseitigen Innufer von Aibling ach Kufstein gebaut wurde, gewann die Klause wieder an Bedeutung.

1546 wurde im schmalkaldischen Krieg die Klause als Verteidigungsstellung ausgebaut. 1586/87 wurde im Kufsteiner Urbar ein „Wirth Clausen“ erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten dient die Klause immer zur Abwehr unliebsamer Besucher. Wie z.B. am 9. Jänner 1657 als der bekannte Zigeunerführer Herzwürger mit an die 30 Personen das Wachthäusl am Clausenpaß eine halbe Stunde vor Kufstein in Brand gesteckt hat, weil man ihm den Eintritt nach Tirol verweigerte.

1670 besteht die Klause aus mehreren kleinen Baulichkeiten, ein Tor ist erkennbar und ist als „Tyrolisches Wachthaus oder Schanz“ bezeichnet. Sämtliche Bauerngüter in Ober- und Unterlangkampfen sowie Niederbreitenbach waren zu Robotleistungen und Futterstellungen für die Klause verpflichtet.

Über das Geschehen bei der Klause im Kriegsjahr 1703 schreibt Major Schlagintweit: „Der bayrische General Weickhel griff in einem Entsatzversuch am 29. Juli morgens die Klause nach einem Marsch von Rosenheim her mit solchem Ungestüm an, dass von den hier in den ‚Verschanzungen stehenden 50 (!) Insurgenten sämtliche bis auf 20 niedergemacht wurden, und drang bis zum Brückenkopf von Kufstein vor, wo er in Verbindung zur Festung trat und dieser die gewünschte Verstärkung gab.

1797 wird eine Wirtstafern auf der Klausen genannt, deren Besitzer Sebastian Zeiser heißt, offenbar ein Sohn des früher genannten Franz Zeiser. Am 4. Oktober 1805 hatten laut Befehl die Kompanien von Kitzbühel und Kufstein den Pass Thurn, das Kufsteiner Kläusl und die Thiersee zu besetzen. Bei der ersten Blockade Kufsteins im April 1809 legte sich Speckbacher mit seinen Leuten in die Klause. Am 12. Mai 1809 kam es zwischen einem bayrischen Entsatzheer und den Tiroler Schützen bei Kiefersfelden, an der Klause und auf dem Thierberg zu Gefechten. Die Tiroler mussten aber der Übermacht weichen. Bis 1814 ist Kufstein bayrisch und die Klause hat (wieder) als Grenzpunkt keine Bedeutung.

Wechselnde Besitzer betreiben in den folgenden Jahrzehnten die Klause als Gastwirtschaft. Durch die Erbauung der Talsperre am Hippbichl (1855-1861) wird die Klause als Befestigungsanlage vollkommen wertlos. Die letzten Reste werden beim Bahnbau Kufstein-Rosenheim 1858 beseitigt. 1869 schreibt der bekannte Schrifststeller Ludwig Steub in seinem Werk „Drei Sommer in Tirol“: „Die Klause ist aber der erste sichere Ankergrund für das leichte Touristenschifflein in Tirol, ein schmerz- und sorgenstillender Ort, ein wohleingerichtetes Wirtshaus mit einem Garten auf hoher Terrasse, in welchem zwar noch die Marmorsteine fehlen, die Herr Paul Auer jun. seinen wertesten Gästen einst errichten lassen will… Von dem Klausengarten ist die Stadt und Festung Kufstein sehr angenehm zu betrachten, auch in einer halben Stunde leicht zu erreichen.“ Als Gastwirtschaft war die Klause besonders um die Jahrhundertwende bei verschiedenen Dichtern (V. von Scheffel, Paul Heyes, Martin Greif) sehr beliebt. (siehe auch die BILDERGALERIE vom November 2010)

1945 war die Klause österreichische Grenzstelle und der einzige Ort, wo sich Verwandte aus Deutschland und Tirol treffen konnten, da die Aus- und Einreise gesperrt und ein Treffen nur im Niemandsland gestattet war.

In diesen Tagen werden nun die letzten baulichen Spuren der Klause beseitigt.

Dietmar Wieser im Oktober 2012.