Das „Laad-Haus“ – eine Betrachtung

„Alea iacta est“ – Der Würfel um das Schicksal des „Laad-Hauses“ am Oberen Stadtplatz ist gefallen.

Der Kufsteiner Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 27. März mehrheitlich den Abbruch des Hauses genehmigt. Auf dem gesamten Areal von 5000 m² soll in den nächsten Jahren ein Gebäudekomplex der Fa. Bodner entstehen. Im Vorfeld der endgültigen Entscheidung hatte es noch unterschiedliche Auffassungen gegeben. Letztendlich hat scheinbar ein Gutachten des Architekten Hanno Schlögl den Ausschlag gegeben. Er kommt zu dem Schluss: „…dass nicht nur der Bauzustand gegen den Erhalt spricht, sondern auch die Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Von einem Rückbau in den historischen Bauzustand müsse aufgrund der vielen Umbauten und Veränderungen abgeraten werden.“(TT vom 29.3.12) Zuvor hatte ein Gutachten des Sachverständigen Walter Preyer das Gegenteil gefordert: „… wonach das „Laad-Haus“ als charakteristisches Gebäude im Sinne des Stadt- und Ortbildschutzes erhalten werden sollte“. Bei der Entscheidung im Gemeinderat hatten sich GR Hannes Bodner und BM Martin Krumschnabel als befangen erklärt und nicht mitgestimmt.

Wenn man das Erscheinungsbild in der Geschichte des Laad-Hauses (siehe Bildergalerie) verfolgt, kann man zweifelsohne zahlreiche Veränderungen feststellen. Wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Überlegungen wurden in der Vergangenheit zahlreiche Umbauten durchgeführt bzw. genehmigt um sich den jeweiligen zeitgenössischen Erfordernissen anzupassen. Doch die „Bausubstanz“ wurde trotzdem immer schlechter und gilt jetzt sogar als „bedenklich“ (Kufsteinblick, 28.3., Seite 3) oder desolat. Auch wenn das Gebäude von außen betrachtet nicht unbedingt sehr baufällig erscheint, hat eine innere Begehung durch die Entscheidungsträger anderes festgestellt. Ein weiteres Argument war, dass das Haus ja nicht denkmalgeschützt ist. Außerdem hat die Firma Bodner in zwei Jahren Planungsarbeit bereits 1 Million Euro ausgegeben. Mit einer Umplanung müsste man wieder bei Null beginnen (Thomas Bodner, Rundschau vom 29./30. März, Seite 2). Was vielleicht ohnehin passiert, wenn das geplante Stadttheater nicht an diesem Standort kommen sollte. Doch dafür gibt es „einfach“ mehr Geschäftsflächen. Mit geballter Medienmacht haben sich auch alle drei Gratis-Bezirkszeitungen bzw. deren Chefredakteure/innen auf den ersten Seiten gegen den Erhalt des Laad-Hauses ausgesprochen. Siehe dazu die Kommentare von Carmen Krautgasser, Gerhard Pierzinger und Karin Mumelter. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass diese Zeitungen von den geschalteten Anzeigen der Wirtschaft leben und gewinnen. Ohne irgendwelche Fürsprecher hatte das Laad-Haus damit keine wirkliche Überlebenschance. Zumindest soll das „charakteristische ROT“, das eigentlich erst seit wenigen Jahren vorhanden ist, erhalten bleiben. Ein schwacher Trost für diejenigen, die das Gebäude gerne erhalten gesehen hätten. „Geht es der Wirtschaft gut geht es uns allen gut“, lautete ein Werbeslogan vor einiger Zeit. Können wirtschaftliche Investitionen dieser Art die letztlich ungewisse globale und persönliche wirtschaftliche Zukunft wirklich ausreichend sichern?

Die 2011, spät aber doch, mit Stolz in Kufstein eingeführte SOG-Zone (Stadt und Ortsbildschutzgesetz 2003) bzw. deren Verantwortliche haben ihre erste Prüfung durch die nunmehr beschlossene Ausnahme leider nicht bestanden. Sorry, der „Gegenwind“ war einfach zu heftig. Es scheint nicht unberechtigt zu behaupten, dass die rege Bautätigkeit in den vergangenen Jahren vielen Kufsteinern etwas „unheimlich“ geworden ist, weshalb man sich notwendigerweise für zukünftige Projekte ein stärkeres öffentliches Mitspracherecht sichern wollte.

Kufsteiner beklagen, dass sie ihr "Stadtl" bald nicht mehr wiedererkennen. Wie sollte man dort wo man sich nicht mehr zu Hause vorkommt, wo einem immer weniger heimatlich Vertrautes begegnet noch wirklich wohlfühlen und emotional zufrieden und glücklich sein?

Die schlechte Bausubstanz war auch ein ausschlaggebendes Argument für den Abriss des Karg-Hauses am Unteren Stadtplatz und den Neubau durch die Fa. Unterberger. Was schließlich daraus geworden ist, bleibt dem individuellen Geschmacksurteil überlassen. Dringender Raumbedarf des Kufsteiner Gymnasiums und drängende  wirtschaftliche Überlegungen (Finanzierung des Bundes!) führten zum Erweiterungsbau im „klassischen“ Stahl-Beton-Glas-Stil des 21. Jahrhunderts. Wie entstand eigentlich das ästhetische Bewusstsein der verantwortlichen Kufsteiner, welche die Entwürfe der Architekten und großteils auswärtigen Planer genehmigen und ausführen lassen? Wie viele Häuser in Kufstein, unbewohnt von ihren Besitzern, „gammeln“ vor sich hin, bis die schlechte Bausubstanz einen Neubau aus wirtschaftlichen Gründen notwendig macht? Soll es der „Zahn der Zeit“ schon richten? Wie viele Neubauten wollen uns potentielle, wirtschaftlich orientierte Investoren noch „schenken“? Bringen uns weiteres wirtschaftliches Wachstum, Expansion der Innenstadt (und überhaupt) sowie mehr Konsum weiter? Und wenn ja, wohin?

Dietmar Wieser, Kufstein am 5.4.2012